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Antoniuskolleg Neunkirchen

Aktuelles

Französisch in Klasse 9 und der Austausch zum Thema „Behinderung und der Umgang mit behinderten Menschen“

04.07.2018

In den Klassen 9b, d und e wurde im Französischunterricht von Frau Schäfer die Filmkomödie „Intouchables“ („Ziemlich beste Freunde“) gesichtet und die Thematik „Behinderung und der Umgang mit behinderten Menschen“ abseits des Lehrwerks besprochen. „Intouchables“ ist weltweit der meist gesehene französische Film. Die extraordinäre Entstehung einer Freundschaft zwischen einem weißen, reichen und gebildeten Tetraplegiker namens Philippe (gespielt von François Cluzet) und in einem Palais im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés lebend und einem schwarzen, zukunftslosen, jungen Banlieusard aus Paris mit dem Namen Driss (gespielt von Omar Sy), der soeben eine sechsmonatige Haft wegen eines Raubüberfalls abgesessen hat, lockte auch in Deutschland unter dem Titel „Ziemlich beste Freunde“ Millionen von Zuschauern in die Kinos.

Die Komödie basiert auf der 2001 erschienenen Autobiographie „Le second souffle“ des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo, der im Juni 1993 beim Paragliding abstürzte, seither Tetraplegiker ist und in seiner Autobiographie persönliche Erfahrungen mit seinem jahrelangen Begleiter Abdel Yasmin Sellou verarbeitet. Mit Humor und Leichtigkeit und auf tragikomische Art und Weise wird die ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Männern dargestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Eigenschaft verbindet die beiden jedoch: Beide fristen ein Außenseiterdasein in der Gesellschaft, sind gewissermaßen „intouchable“ im Sinne von unantastbar, unangreifbar – Ausgeschlossene. Zusammen, durch ihre Freundschaft und trotz bzw. insbesondere durch die Unterschiede ihrer kulturellen und sozialen Herkunft und ihrem persönlichen Werdegang, sind sie stark und untrennbar. Am Ende des Films werden in einer kurzen Einstellung der echte Philippe Pozzo di Borgo und sein Freund Abdel Yasmin Sellou eingeblendet, die auch heute noch intensiven Kontakt zueinander pflegen.

Driss zeigt in der Filmkomödie keinerlei Mitleid gegenüber Philippe, macht sich lustig über ihn und behandelt ihn trotz oder vielmehr wegen seiner Krankheit mit schwarzem Humor und Spott: „Keine Arme, keine Schokolade!“

Möchten alle Tetraplegiker so behandelt werden? Dieser Frage sind die Klassen 9b, d und e im Französischunterricht nachgegangen und haben Kontakt zu dem wahren Philippe sowie einem Rugby-Spieler aus Toulouse, Tony Moggio, aufgenommen, die untereinander ebenfalls Kontakt pflegen oder gemeinsam an Interviews teilnehmen. Ziel war es, ihre Französischkompetenzen mittels authentischer Kontakte zu verbessern.

Bei Tony Moggio handelt es sich um einen 33-jährigen Rugbyspieler (am 26. Mai 1985 in Toulouse geboren und auch dort heute noch ansässig), der seit dem 7. Februar 2010 im Alter von 25 Jahren aufgrund eines schweren Unfalls während eines Spiels zum Tetraplegiker wurde. Er war Mitglied der Mannschaft RC XV und spielte in Castelginest, einer Gemeinde im Département Haute-Garonne. Das Rugby-Spielfeld war stets sein Lebensinhalt, seine Leidenschaft, und in der regionalen Tageszeitung „Dépêche du Midi“ artikuliert er sich wie folgt: „J'adore le rugby et je préfère que cela me soit arrivé sur un terrain qu'en traversant la route.“

Nach langen Kliniksaufenthalten, depressiven Phasen u. a. hat er heute sein „maillot dans la tête, le ballon dans le cœur, et son terrain c’est désormais la joie de vivre, une vie dont il jure qu’elle ne l’a jamais abandonnée. Il est plus que jamais à la conquête“ und lässt uns in seinem 2015 erschienenen Werk „Talonneur brisé“ mehr über ihn erfahren.

Die SuS schickten ihm Fragenkataloge, Videos, Flaschenpost, Souvenirs, Kommentare, nahmen Kontakt über soziale Medien auf und bekamen auch eine lange Antwort, eine Einladung nach Straßburg sowie große Wertschätzung...

Herzlichen Glückwunsch an die Klassen 9b, d und e!

Julia Schäfer