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Antoniuskolleg Neunkirchen

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Erde, Feuer, Wasser, Luft: Der Klang der Elemente – Energiegeladene Herbstkonzerte der Bigband des Antoniuskollegs

07.10.2019
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel
Fotos: Thomas Schmitz und Moritz Michel

Schon seit der Antike üben die vier Elemente "Erde", "Feuer", "Wasser" und "Luft" eine ganz besondere Faszination auf den Menschen aus. Beeindruckt von ihrer Kraft hielt man sie bis über das Mittelalter hinaus nicht selten für die Grundbausteine allen Lebens. Die klassischen vier Elemente haben Künstler*innen über Jahrhunderte hinweg inspiriert, und die Kraft des Wassers, die Vielseitigkeit des Feuers, die elementare Bedeutung der Luft sowie die Fruchtbarkeit der Erde faszinieren den Menschen in ihrer Urtümlichkeit noch heute.

Diese ungebrochene Faszination war auch in der musikalischen Verarbeitung der Elemente durch die Ensembles der Bigband des Antoniuskollegs Neunkirchen deutlich spürbar. Unter der Gesamtleitung von Christoph Barth erlebten die Konzertbesucher*innen der Herbstkonzerte 2019 zweieinhalb Stunden sinfonischer Extraklasse in der unmittelbaren musikalischen Begegnung mit Erde, Feuer, Wasser und Luft.

Den Tanz auf dem Vulkan wagten gleich zu Beginn des Konzerts die Schüler*innen der Bläserklasse 6d, indem sie im Stück „Fires of Mazama“ (Michael Sweeney) Eruptionen und Hitze des pulsierenden Lavastroms des Mount Mazama (heute: Crater Lake in Oregon, USA) in den Konzertsaal transportierten. Nachdem die Musiker*innen den Zuhörern in „When the wind whispers“ von Rob Romeyn danach das Geheimnisvolle des Windes präsentiert hatten – gewissermaßen die Ruhe vor dem Sturm –, wurde spätestens im Majestätischen von Edward Kennedys Komposition „Legend of the water dragon“ deutlich: So vielfältig wie die Elemente zeigen sich auch die Nachwuchsmusiker*innen der AK-Bigband!

Kreativ war das Team rund um die Bigband-Konzerte auch in Fragen der Präsentation. Über verschiedene Kameras im Saal wurden parallel zu den Stücken Live-Aufnahmen der Musiker*innen eingespielt, die auf einer großen Leinwand im Rücken der Ensembles zu sehen waren. In Kombination mit vorproduzierten, thematisch passenden Video-Sequenzen wurde die Unmittelbarkeit der musikalischen Erfahrung nochmals enorm gesteigert (Leitung: Luis Fernández-Rottländer, Instrumentalpraktischer Kurs Q1).

Die Vor-Bigband unter dem Dirigat von Sebastian Eichel entführte die Zuhörer in Filippo Leddas „Challenger Deep“ zum tiefsten Punkt der Erde, dem Marianengraben. Einen Kontrast zu den teils tiefen Tönen der musikalischen Weite des Meeres und der gefährlichen Tauchfahrt bildete danach die Dramatik von „Man in the ice“ (Otto M. Schwarz). Das Wasser wechselte den Aggregatzustand (von flüssig zu gefroren), und der Zuschauer stellte sich Ötzi in den schneebedeckten Alpen vor – den Elementen schutzlos ausgeliefert. Die Dramatik seines Überlebenskampfes war im Verlaufe des Stückes wiederholt spürbar. 

Moderiert wurden die Herbstkonzerte 2019 von Leoni Duven und Alina Reschke (9b), die charmant durch die Veranstaltung führten und immer wieder mit thematisch passenden Accessoires auftraten. Mit Humor und Hintergrundwissen zu den einzelnen Werken wussten sie die Zuhörer im vollbesetzten Saal schnell für sich zu gewinnen. Ob Erde, Feuer, Wasser und Luft, das Moderatoren-Duo war auf jede der Elementargewalten bestens vorbereitet.

Die ganze Bandbreite der Elemente versprach der Auftritt der Bigband des Antoniuskollegs, den Dirigent Christoph Barth zunächst unter Einbeziehung des Publikums einleitete: Mit Fingerschnipsen und Schenkelklopfen gestaltete dieses gemeinsam mit der Bigband den stärker werdenden Regen – es gelang täuschend echt, und so mancher dachte an den im Eingangsbereich zurückgelassenen Regenschirm. Während bei der Darbietung von Michael Sweeneys „Earthdance“ das Schlagzeugregister im Vordergrund stand, steigerte sich die musikalische Wucht beim nächsten Stück. Die Auszüge aus „Der Feuervogel“ (Igor Strawinsky) kamen in voller sinfonischer Dramatik daher. Und es blieb emotional: Armin Koflers „Schmelzende Riesen“ präsentierten musikalisch einen Wandel: von den majestätischen Gletschern der Polarwelten zu einem Klagelied der Natur. Ein gesellschaftlich höchst relevantes Thema also, das durch die intensiven Videoeindrücke besonders hervorgehoben wurde. 

„Schiff ahoi!“, hieß es zum Abschluss des ersten Konzertteils, der mit Robert Buckleys „Windjammer“ in die Pause segelte. Die Seereise eines der größten Segelschiffe wurde durch drei Solisten eingeleitet (Jule Haufe, Emma Krüger, Jonas Leipnitz), deren Trompetenklänge vom Orchester aufgegriffen und motivisch weiterverarbeitet wurden. Die Erhabenheit des Schiffes war unverkennbar, der Wind jederzeit spürbar.

Die Kraft der Elemente ließ auch mit Beginn des zweiten Teils des Konzerts nicht nach: Auf der Bühne hatte das Sinfonische Blasorchester Platz genommen, in dem Oberstufenschüler*innen gemeinsam mit Eltern, Lehrern und externen Gästen musizieren. Den Anfang machte ihre Interpretation von Steven Reinekes „Rise of the firebird“, bevor das Orchester die stärker werdenden Winde des Jahrhundertsturms „Kyrill“ von 2007 im gleichnamigen Werk von Otto M. Schwarz interpretierte. Die Aussage der Moderatorinnen war Programm: „Halten Sie sich fest, jetzt wird es windig!“

Dass für die Musiker*innen des AK kein sinfonischer Spagat zu groß ist, bewies das Orchester gleich im Anschluss mit der Filmmusik „Backdraft“ des deutschen Hollywood-Komponisten Hans Zimmer. Und es blieb komplex: Rob Romeyns „Up from earth’s center” beschreibt die Ereignisse des großen Erdbebens vor der Küste Hawaiis von 1868. Das Sinfonische Blasorchester transportierte die Ruhe des morgendlichen Sonnenaufgangs am Strand musikalisch genauso perfekt wie das plötzlich einsetzende Erdbeben und den folgenden Tsunami, bevor sich die Natur wieder beruhigt und die scheinbar idyllische Stimmung vom Anfang zurückkehrt.

Damit war die Zielgerade des Konzerts eingeleitet. Noch einmal standen Mensch und Elemente im Mittelpunkt; der Mensch wurde zum Spielball von Wind und Wellen. Jose Alberto Pinas „The Ghost Ship“ war der Höhepunkt des Konzerts, bei dem das Drama eines auf See verlorenen Schiffes sowie die Mystik seines Wracks dargeboten wurden. Sechs Tänzerinnen des Tanzateliers [viza’vi:] verliehen der Musik des Sinfonischen Blasorchesters eine ganz besondere Note (Choreografie: Jana Radermacher). Die emotional aufgeladene Choreographie der Tänzerinnen wirkte im komplexen Zusammenspiel mit dem Orchester wie aus einem Guss: Die eingesetzten Tücher, die anmutigen Bewegungen und das blaue Licht erzeugten eine beeindruckende Atmosphäre, die für staunende Bewunderung und manche Emotionen unter den Zuhörer*innen sorgte – generationenübergreifend.

Die Standing Ovations eines begeisterten Publikums waren allen Beteiligten im Anschluss gewiss, hatten ihre Darbietungen die Anwesenden doch in ganz besonderem Maße berührt. Als dann auch noch Simon and Garfunkels „The sound of silence“ (Gesang: Sebastian Eichel) als Zugabe erklang, war auch emotional ein Höhepunkt erreicht – noch vor den traditionell gemeinsam gesungenen „Irischen Segenswünschen“.

Die Herbstkonzerte 2019 waren eine furiose Reise durch die Elemente, die AK-Bigband hat sie auf ganz besondere Art und Weise erlebbar gemacht. Und vermutlich ist es ihr auch gelungen, sie ein wenig zu zähmen (zumindest vorübergehend). Denn als das Konzert am Sonntag vorüber war, hatte der Dauerregen des Nachmittags etwas nachgelassen.

Sebastian Patt