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Antoniuskolleg Neunkirchen

Gegen das Vergessen

14.02.2020

Die Klassen 5a und 5e haben lange überlegt, für welche sozialen Zwecke sie ihre Einnahmen aus dem Verkauf auf dem Neunkirchener Weihnachtsmarkt verwenden sollen. Auf der Suche nach passenden Projekten wurden sie auf den Aufruf von Frau Jonas zur Mithilfe bei der Finanzierung einer Grabeinfassung aufmerksam. Das klang nach einer interessanten Sache.

So luden sie Frau Jonas, die als Integrationshelferin tätig ist, ins Antoniuskolleg ein und erfuhren von Milad, seiner Mutter, seinen beiden Schwestern und deren Schicksal. Schnell war klar, dass hier ein Teil ihres Geldes gut angelegt sein würde:

Milad floh 2015 mit seiner Familie vor Angst und Bedrohung aus Afghanistan und fand zunächst in der Turnhalle der Grundschule am Wenigerbach in Seelscheid, dann in einer kleinen Wohnung in Neunkirchen ein neues Zuhause.

Als der Neunjährige im Sommer 2019 über Bauchschmerzen klagte, ging man zunächst von einer Lebensmittelunverträglichkeit aus. Da aber die Bauchschmerzen sich nicht besserten, wurde er stationär in die Kinderklinik St. Augustin aufgenommen. Bei weiteren Tests stellte sich heraus, dass er eine genetisch veranlagte Form von Krebs hatte, die kaum Chancen auf Heilung bot. Milad verstarb bereits in den Herbstferien 2019.

Die Mutter und die beiden Schwestern waren finanziell nicht in der Lage, sich für Milad eine angemessene Grabgestaltung leisten zu können. So konnte der Betrag von 200 Euro, den die Schüler und Schülerinnen Frau Jonas von ihrer Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt in Neunkirchen überreichten, dazu beitragen, dass Milads Grab im Frühjahr (wenn die Wetterverhältnisse wieder besser sind) eine saubere Einfassung erhält.

Wir danken an dieser Stelle Frau Jonas, dass sie sich die Zeit genommen hat, uns so ausführlich von Milad, seiner Familie und ihren Lebensverhältnissen in Afghanistan zu erzählen.

Nur wenn wir die Erinnerung an Menschen wachhalten und nicht in Gleichgültigkeit und Ignoranz verfallen, werden diese über ihren Tod hinaus nicht vergessen. Denn die Würde eines Menschen ist unantastbar, auch über dessen Tod hinaus.

Annette Schäfer und Martina Heller