Briefe an das Christkind – ein besonderer sprachlicher und interkultureller Zugang im Französischunterricht der Klasse 9e

Zu Beginn des neuen Jahres bietet sich die Gelegenheit, auf ein besonderes Unterrichtsprojekt der Französischklasse 9e zurückzublicken, das die Adventszeit auf eindrucksvolle Weise mit sprachlichem Lernen, kultureller Tradition und gelebter Partnerschaftsarbeit verbunden hat: das Schreiben von Briefen an das Christkind in Engelskirchen.

Im Rahmen des Französischunterrichts setzten sich die Schüler*innen der Klasse 9e mit der traditionsreichen Christkindpost auseinander und verfassten ihre Briefe bewusst in französischer Sprache. Dabei formulierten sie persönliche Wünsche, Hoffnungen und Gedanken und wendeten ihre im Unterricht erworbenen sprachlichen Kompetenzen in einem authentischen und sinnstiftenden Kontext an. Das Projekt ermöglichte es den Lernenden, die Fremdsprache nicht nur als Unterrichtsgegenstand, sondern als reales Kommunikationsmittel zu erfahren.

Die Briefe wurden an die Christkindpostfiliale in Engelskirchen gesendet, deren Adresse weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist. Besonders motivierend für die Schüler*innen war die Erfahrung, auf ihre Schreiben eine Antwort des Christkinds in französischer Sprache zu erhalten. Diese liebevoll gestalteten Rückmeldungen stellten für viele eine besondere Wertschätzung ihrer sprachlichen Leistung dar und stärkten zugleich das Vertrauen in die eigenen fremdsprachlichen Fähigkeiten.

Ergänzt wurde dieses sprachliche Projekt durch ein weiteres Engagement der Klasse: Mit großem Einsatz backten die Schüler*innen 25 Kuchen, deren Verkaufserlös dem Partnerschaftsbeirat Engelskirchen / Plan-de-Cuques zugutekam. Der Partnerschaftsbeirat fördert mit diesen Mitteln zahlreiche Aktivitäten, Begegnungen und Austauschformate innerhalb der deutsch-französischen Städtepartnerschaft und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Vertiefung der bilateralen Beziehungen.

Für dieses Engagement erhielt die Klasse als Dankeschön herzliche Worte der Anerkennung, eine süße Aufmerksamkeit sowie eine Spende in Höhe von 100 Euro für die Klassenkasse. Diese Wertschätzung unterstrich den Einsatz der Schüler*innen und machte zugleich erfahrbar, dass gesellschaftliches Engagement wahrgenommen und honoriert wird.

Auf diese Weise verband das Projekt sprachliches Lernen mit kultureller Bildung und sozialem Handeln. Die Schüler*innen reflektierten nicht nur eine deutsche Weihnachtstradition mit internationaler Ausstrahlung, sondern erfuhren zugleich ganz konkret, wie Sprache, Begegnung und persönlicher Einsatz Brücken zwischen Ländern und Kulturen schlagen können. Durch das Verfassen und Lesen authentischer Briefe sowie durch die aktive Unterstützung der Partnerschaftsarbeit wurden Schreibkompetenz, Wortschatzarbeit, Textverständnis und interkulturelle Handlungskompetenz nachhaltig gefördert.

Gerade in einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt stellte das handschriftliche beziehungsweise bewusst gestaltete Schreiben eines Briefes eine wertvolle Erfahrung der Entschleunigung dar. Es eröffnete Raum für persönliche Ausdruckskraft und machte deutlich, dass Sprache weit über schulische Leistungsnachweise hinaus Bedeutung besitzt – als Mittel der Verständigung, der Nähe und des kulturellen Austauschs.

Mit diesem Rückblick verbindet sich zugleich der Wunsch, dass das neue Jahr weiterhin von Neugier, Lernfreude und Offenheit für sprachliche wie kulturelle Begegnungen geprägt sein möge. Das Projekt der Klasse 9e hat eindrucksvoll gezeigt, wie lebendig, praxisnah und sinnstiftend Fremdsprachenunterricht sein kann, wenn er an reale Erfahrungen, gelebte Traditionen und partnerschaftliches Engagement anknüpft.

Julia Schäfer